Finnland. Echt cool. Ganz natürlich.

Diesmal also Finnland, jenes Land am nördlichen Rand des europäischen Kontinents. Das Land mit der überschaubaren Bevölkerungszahl von 5,4 Millionen Einwohnern. Aktuell verfügen wohl mindestens 28 Städte der Welt über eine größere Einwohnerzahl als das Land Finnland selber. Finnland wird auf einer aktuellen Liste der bevölkerungsreichsten Länder weltweit lediglich auf Platz 114 geführt, 124 Länder haben noch weniger Einwohner als Finnland, was wiederum bedeutet, dass die finnische Bevölkerung sich im engsten Mittelfeld dieser Liste befindet.

In einer Liste, die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, werden 75 finnische Autoren und Schriftsteller geführt. Etliche davon weisen auch ein Sterbedatum an ihrem Namen auf. Mindestens 60 finnische Autoren sollen aber anlässlich der diesjährigen Frankfurter Buchmesse in Frankfurt auftreten. In beiden Fällen eine dennoch überschaubare Zahl. Ein überschaubares Land, mit überschaubaren Zahlen und dennoch ein literarisch ambitioniertes Land.

Während jährlich etwa 4500 neue literarische Werke in Finnland publiziert und davon etwa 30 neue Titel von finnischen Autoren auf Deutsch aufgelegt werden und erscheinen, sollen es zur Buchmesse ganze 130 neue Titel sein, die in deutscher Übersetzung vorliegen und von 54 deutschen Verlagen betreut und publiziert werden. Also 100 deutsche Titel mehr als sonst oder mehr als vier Mal so viel, wie sonst in einem Jahr. Nicht wenige finnische Autoren verfassen ihre Werke in Schwedisch, die Affinität zu Schweden ist nicht gerade gering.

Warum gerade der Slogan Finnlands auf der Frankfurter Buchmesse, dem Land der berühmten finnischen Saunen, „Finnland. Cool.“ lautet, ist sicherlich eher der Geographie und der Symbolik des Nordischen geschuldet. Hinzu kommt, dass auch der Eindruck der Lockerheit, der Coolness als Charakterfrage und der Leichtigkeit vermittelt werden soll. Cool, im Sinne von großartig mit dem „Wow-Effekt“, ist vermutlich auch die Alphabetisierungsquote des Landes, die bei eindeutigen 100% liegt. Jeder Mensch ab der Grundschule kann in Finnland lesen und in Finnland wird vergleichsweise sehr viel gelesen. Die 4500 neuen Werke, die Jahr um Jahr in Finnland herausgebracht werden, stellen im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit die höchste Publikationsdichte weltweit auf. Allein das Land Island weist eine höhere Dichte proportional zur Einwohnerzahl auf. Ob sich der weltweit beste Platz in der PISA-Untersuchung , den Finnland nun einmal belegt, dadurch erklären lässt, ist nicht ganz klar, lässt aber die Vermutung sehr plausibel erscheinen, dass diese Korrelation sehr naheliegend ist.

Gerade die Verbreitung und Nutzung von Bibliotheken ist in Finnland sehr weit gediehen. Bibliotheken gehören für Finnen zum Alltagsbild und werden gerne und häufig genutzt, manchmal vergleichbar einem zweiten Wohnzimmer. Im Durchschnitt liest jeder Finne ganze 17 neue Bücher, also mehr als ein neues Buch pro Monat oder alle 21 Tage ein solches neues Werk.

Eine relativ neuere Entwicklung der finnischen Literatur(szene) ist die Kriminalliteratur, der neue finnische Krimi . Bis zu 90 neue Kriminalromane pro Jahr erscheinen derzeit in Finnland. In den 90er Jahren waren das noch 20 neue Krimis im Jahr. Bei der Charakteristik des finnischen Krimis überwiegt wie bei allen skandinavischen Krimis die Sachlichkeit. Doch ist der finnische Krimi noch sachlicher und realistischer, als die marktführenden schwedischen und norwegischen Kriminalwerke. Eine nahezu übertriebene Bodenständigkeit zieht sich durch die Plots und Figuren finnischer Krimis.

Bevor zum Beginn des 20. Jahrhunderts der finnische Krimi aus der Taufe gehoben wurde, standen viele Übersetzungen britischer und französischer Krimiautoren am Anfang dieser Entwicklung. Das führte auch zu einer starken Prägung der ersten finnischen Krimiautoren. Die neuentstandene Szene der finnischen Kriminalautoren ist sehr vielversprechend und lässt eine starke Entwicklung der nächsten Jahre vermuten. Viele dieser finnischen Kriminalautoren werden auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse präsent sein und sich somit einem globalen Publikum vorstellen können.

21.9.14 23:16

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