Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2014

Der Friedenspreis ist eine Auszeichnung, die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels an Personen verliehen wird, die sich auf eine besondere Weise hervorgetan haben und durch Literatur, Kunst oder Wissenschaft zur Realisierung des Friedensgedankens wesentlich beigetragen haben. Im Jahr 1950 wurde dieser weltweit anerkannte Preis zum ersten Mal verliehen. Als erster Träger dieses Preises wurde Max Tau benannt und sein Laudator  war damals Adolf Grimme. Diese jährliche Ehrung findet im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Die Laudatio auf den Preisträger wird immer von einer bekannten Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gehalten. Der Friedenspreis, den der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergibt, ist dotiert mit einem Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro.

Der Preisträger im Jahr 2014
Jaron Lanier ist in diesem Jahr der Gewinner dieses Preises. Der Schriftsteller, Musiker und Informatiker wurde 1960 in New York City geboren. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Lanier setzt sich in seinem Buch für das Bewahren der menschlichen Werte ein und dass diese eine Grundlage für ein friedliches Zusammenleben bilden, auch in der digitalen Welt. Mit seinem neuesten Werk „Wem gehört die Zukunft?“ wird mit einem Appell aufgerufen, wachsam zu sein, gegenüber einem Missbrauch der Überwachung und der Unfreiheit. Er ruft dazu auf, der digitalen Welt Strukturen vorzugeben, welche die Rechte des Menschen achtet und sich fördernd auf die demokratische Teilhabe auswirkt. Lanier ist einer der Pioniere, welche die Entwicklung des Internets betreffen und gehört mit zu den wichtigsten Konstrukteuren des Internets. Er wird auch der „Vater der virtuellen Realität“ benannt und war selber als leitender Forscher bei vielzähligen Entwicklungen tätig. Heute arbeitet er als führender Wissenschaftler an mehreren Universitäten in der Erforschung des „Internet 2“ und ist als Forscher für Microsoft Research tätig.

Die  Begründung der Jury für die Preisverleihung
In diesem Jahr (2014) geht der Preis an den amerikanischen Schriftsteller Jaron Lanier. Die Begründung des Stiftungsrates äußert sich dahingehend, dass Lanier als Informatiker, Schriftsteller und Musiker ein Pionier der digitalen Welt ist und erkannt hat, dass die digitale Welt für jeden Menschen Risiken betreffend seiner freien Lebensgestaltung birgt.

Der Laudator
Die Laudatio für Jaron Lanier wurde von Martin Schulz, dem seit Januar 2012 gewählten Präsidenten des Europäischen Parlaments, gehalten. Martin Schulz ist mehrfacher Ehrendoktor sowie Vizepräsident der Sozialistischen Internationale. Im Februar 2014 hat Martin Schulz die Ehrendoktorwürde der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe erhalten. Die Initiative für diese Ehrung ging von der Fakultät für Literatur-, Sozial- und Sprachwissenschaften aus. Als Begründung wurde benannt, dass Martin Schulz sich bereits seit vielen Jahren für die Europäische Integration einsetzt und sich auch zu heiklen Themen äußert. Auch Martin Schulz hat als gelernter Buchhändler vor kurzem ein Buch veröffentlicht mit dem Titel “Der gefesselte Riese - Europas letzte Chance“. In diesem Werk wird von Martin Schulz eine verstärkte Demokratie gefordert, sowie eine soziale Gerechtigkeit in der europäischen Union. Seine Ziele stehen in der Übereinstimmung und der Ausrichtung der Hochschulen. Im Jahr 2013 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seine Position wie auch seine Herkunft prädestiniert Martin Schulz geradezu dafür, die Laudatio für den diesjährigen Gewinner des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zu halten.

12.10.14 13:22, kommentieren

Nobelpreis für Literatur geht 2014 an Patrick Modiano (Frankreich)

Wie die Schwedische Akademie am 09.10.2014 bekannt gab, verleiht sie den diesjährigen Nobelpreis für Literatur an den französischen Schriftsteller Patrick Modiano . Frankreich wird damit zum 15. Mal von der Akademie mit dem begehrtesten Literaturpreis der Welt bedacht.

Patrick Modiano wurde am 30. Juli 1945 in Boulogne-Billancourt, einer Ortschaft in der Nähe von Paris, geboren. Der Vater ist ein jüdischer Kaufman, die Mutter eine Schauspielerin, die flämischen Ursprungs ist. Beide Elternteile lernen sich im Kontext der deutschen Besatzung kennen. Dieses Thema scheint die gesamte Familie und Familiengeschichte intensiv geprägt zu haben. Sie prägte auch die Werke Modianos.

Als Begründung für die Verleihung nannten die schwedischen Juroren die Fähigkeit Modianos, "die Kunst der Erinnerung ... menschliche Schicksale und die Lebenswelt der Besetzung" präsent zu erhalten. Die Großthemen "Erinnerung, Vergessen, Identität und Schuld" finden sich, so die Stellungnahme des Feuilletonredakteurs der Onlineausgabe der "Welt",  Wieland Freund, in allen Erzählungen Modianos wieder.

Im Mittelpunkt des literarischen Werkes des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur, Patrick Modiano, steht die Besatzungszeit durch die Nationalsozialisten. Diese Thematik treibt Modiano seit Beginn seiner Schaffenszeit intensiv um. Ihm ging es stets darum, wie es in seinem sehr persönlichen Roman "Familienstammbuch" anklingt, sich beharrlich der eigenen Erinnerung zu stellen und ihr nachzuspüren.

Zwei seiner Bücher wurden verfilmt und bei zwei weiteren Filmen hat er jeweils das Drehbuch verfasst. Bevor nun sein Werk mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde, hat Modiano bereit einige andere Preise erhalten. Dazu zählen auch der "Große Romanpreis der Académie Francaise" (1972) bzw. der "Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur" (2012). Obwohl der größte Anteile seines literarischen Schaffens auch in deutscher Sprache vorliegt, sind noch etliche Werke bisher nicht übersetzt worden. Auch sein letztes Werk ("Pour que tu ne te perdes pas dans le quartier", 2014) liegt bisher nur in französischer Sprache vor. Die Verleihung des Nobelpreises für Literatur am 10. Dezember dürfte dies sicherlich bald ändern.


10.10.14 01:29, kommentieren